DIE GESCHICHTE DER STERNFÜHRUNGEN  IN LINZ .....

..... hat eine lange Tradition und reicht bis ins Jahr 1946 zurück, diese Tatsache findet man in der Vereinschronik 1947 der Linzer Astronomischen Gemeinschaft im Bericht über die konstituierende Hauptversammlung am 18. Jänner 1947.

Bei den Sternwanderungen wurde mit transportablen kleinen Fernrohren bzw. meistens auch nur mit dem Fernglas der Sternenhimmel beobachtet. Diese ersten Sternführungen fanden im Bereich des Landhauses auf der Promenade Linz statt bzw. auch im Schloßbergareal.


Bereits 1948 beschaffte der Verein sein erstes Vereinsteleskop einen Kosmos 3 Zöller.

In einem OÖN-Zeitungsausschnitt 1976 erinnert sich OAR Emmerich Schöffer an die Anschaffung

 

Heute befindet sich das Teleskop in perfekt restauriertem Zustand im Besitz der Salzburger Sternfreundegruppe im "Haus der Natur"
Das Telekop wurde im Zuge der Neuanschaffung des 5Zoll Refraktors im Jahr 1956 der Salzburger Vereinigung überlassen.

Die Linzer Astronomische Gemeinschaft hat im Zuge großer astronomischer Ereignisse auch immer die breite Öffentlichkeit gesucht und ist immer wieder auf die Straße gegangen. Sie hat damals bereits das betrieben was wir heute "Sidewalk-Astronomy", also "Gehsteig-Astronomie" nennen.


Sonnenfinsternis 25. Februar 1952 am Hauptplatz Linz


Aktivitäten am Linzer Hauptplatz .......


........ so wie wir es heute auch immer wieder tun - zB. am Astronomietag 2017

...... oder im internationalen Astronomiemonat

DOCH WEITER IN DER GESCHICHTE

Die nächste Anschaffung war der 5 Zöllige Refraktor, der seinen ersten Platz auf dem Turmdach der Diesterwegschule fand.


Friedrich Adolph Wilhelm Diesterweg (1790-1866) war ein deutscher Pädagoge.

Er vertrat Anschauung und Selbsttätigkeit als didaktische Grundsätze. Er gab diesen Grundsätzen jedoch eine politische Eintönung durch das von ihm festgesetzte Ziel der Heranbildung eines mündigen und kritischen Staatsbürgers. Die Volksbildung gewann für Diesterweg den Charakter der Volksbefreiung. Inhaltlich löste Diesterweg sich von der heimatkundlich orientierten Anschauungsdidaktik ab, indem er eine, auf !!! astronomische !!! Themen basierende, erweiterte Weltkunde forderte. Sein lesenswertes Werk "Populäre Himmelskunde und astronomische Geographie" ist HIER digital in der Bayrischen Staatsbibliothek zu lesen.

Die Sternwarte am Turm war hier 8 Jahre in Betrieb. Die Beleuchtungssituation mitten in der Stadt war nie wirklich befriedigend für astronomische Arbeiten, der Zugang für die Öffentlichkeit war auch sehr  eingeschränkt, das Platzangebot am Turm war beschränkt und diverse anderer Schwierigkeiten taten ein übriges dazu. Als dann im Jahr 1967 ein Sturm die Teleskopabdeckung zerstört hat wurde alles abgebaut.

Die Lösung für eine neue Beobachtungsstation kam dann schneller als erwartet und so durfte die Beobachtungsstation im Linzer Botanischen Garten wieder aufgebaut werden. Der Platz bot für Stadtverhältnisse sehr gute Beobachtungsbedingungen und so stand einem regen Sternführungsbetrieb nichts mehr im Wege.


Der damalige Leiter der LAG-Jugendgruppe Johann Plasser (später Obmann der LAG und "Vater der Sternwarte Linz") am Telekop im botanischen Garten

Beobachtungs- und Sternführungsbetrieb im Botanischen Garten bei Tag und bei Nacht.



Eine kurze persönliche Erinnerung aus der Zeit im Botanischen Garten von Thomas Schobesberger, der seine ersten Sternführungen noch auf diesem Gerät durchgeführt hat verdeutlicht wie damals gearbeitet wurde: "Damals hatten wir als Einstellhilfe nur die Teilkreise und weil es damals noch keine tragbaren Computer gab, hat uns Wolgang Schwabel immer einen Computerausdruck der Sternzeit für Linz für jede Stunde für einen Monat im Voraus auf Endlospapier ausgedruckt. Der Computer stand im Rechenzentrum in Wien und wurde per Fernschreiber bedient. Das war damals High Tech ! Der Ausdruck war dann Innen an der Wand des fahrbaren Schutzbaues angeklebt. So konnte man auch schwierigere Objekte einstellen. Wobei zu sagen ist, dass mit dem alten Fernrohr und besonders den alten 1 1/4 '' Okularen fast jedes Objekt schwierig war!"

Nachfolgend ein paar Zeitungsausschnitte zum Thema Sternführungen und Besucherzahlen


Die feierliche Eröffnung der Sternwarte Linz am 17.8.1983 durch Bürgermeister Franz Hillinger und Obmann Johann Plasser


Das erste Instrument in der Sternwarte war der restaurierte 5 Zoll Refraktor aus dem botanischen Garten


Später folgte ein in Eigenregie restaurierter 40cm Cassegrain - eine Leihgabe der Universitätssternwarte Wien ....


..... endlich hatte der Verein ein richtig mächtiges Instrument zur Beobachtung von Deep_Sky Objekten mitten aus der Stadt heraus.
Der Messingrefraktor fungierte als Leitfernrohr und Zweitfernrohr für Sonnenbeobachtung aber auch Binokularbeobachtungen
 von Mond und Planeten wurden damit möglich.

Der einzige Nachteil des schweren großen Teleskopes war, das es voll manuell bedient werden musste. Es hatte zwar eine elektrische Nachführung, aber die Einstellung der Objekte erfolgte über Teilkreise und es erforderte viel Übung und auch Muskelkraft zur Bedienung. Die Sternführer leisteten zu dieser Zeit Schwerstarbeit !


So hat der Endausbau des 40 cm Cassegrain ausgesehen bevor das Teleskop ......

......  unter der Obmannschaft von Herbert Raab durch ein modernes computergesteuertes 50cm Teleskop abgelöst wurde.


Das Teleskop wurde vom Chefkonstrukteurteam Erwin Obermeier, Thomas Schobesberger unter der Leitung von Erich Meyer gebaut.


Am 28.Oktober 2000 erfolgte das "First Light" des voll computergesteuerten und in Eigenbau hergestellten 50cm Telekops.

Seither versieht es treu und zuverlässig Nacht für Nacht seinen Dienst für die Sternführungen auf der Johannes Kepler Sternwarte.

Das Interesse an Astronomie nimmt Jahr für Jahr zu und so sind die Sternführungen an den Freitagen immer sehr gut besucht. Der Wunsch nach Sonderführungen wird auch immer größer. Leider können viele Führungen wegen der in Europa herrschenden Wetterentwicklung nicht abgehalten werden. Der Klimawandel hinterlässt leider auch bei unserem Hobby deutlich seine Spuren. Die zunehmende Lichtverschmutzung im Zeitalter der billigen LED-Beleuchtung trägt auch zur Verschlechterung der Gesamtsituation bei. Waren es früher nur bestimmte Spektrallinien wie die der Natrium- bzw. Quecksilberdampflampen, die man noch mit geeigneten Filtern herausfiltern konnte, sorgen nun die breitbandigen LEDs dafür, dass die Sicht auf den Sternenhimmel immer schwieriger wird. 

Die Probleme der Sternenbeobachtung aus der Stadt hat damals der Karrikaturist Florian von den OÖN  bei der Sternwarteeröffnung im Jahr 1983 bereits auf's Korn genommen, leider sind sie nicht weniger geworden!

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