Neues Teleskop für die Kepler-Sternwarte Linz

50cm Cassegrain-Teleskop

Die Anforderungen

Aus astronomischer Sicht stellt ein entlegener Berggipfel den optimalen Aufstellungsort eines Teleskops dar. Im Fall einer öffentlich zugänglichen Sternwarte, wie der Johannes-Kepler-Sternwarte in Linz, ist dies im Sinne einer einfachen Erreichbarkeit (auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln) sicherlich nicht sinnvoll, und so muß in Stadtnähe mit Abstrichen (Trübung des Sternenlichtes durch Aerosole, Aufhellung des Himmels durch die Lichter der Stadt) gerechnet werden. Allerdings sind gerade Objekte, die zum Verständnis des Aufbaus des Universums von zentraler Bedeutung sind, aufgrund ihrer unvorstellbar großen Entfernung sehr lichtschwach. Um den Gästen der Sternwarte dennoch einen Eindruck von den gewaltigen Dimensionen des Kosmos geben zu können, muß ein Instrument zur Verfügung stehen, welches die Nachteile, die ein Beobachtungsort in Stadtnähe mit sich bringt, aufgrund seiner optischen Leistungsfähigkeit zumindest teilweise wieder aufzuheben vermag.

Auch an die mechanische Ausführung des Instrumentes werden besondere Anforderungen gestellt, zumal das Teleskop in Zuge des Führungsbetriebes erfahrungsgemäß Belastungen ausgesetzt sein wird, die beim Einsatz als Forschungsinstrument durch erfahrene Beobachter kaum auftreten.

Eine computergesteuerte Positionierung des Teleskopes kann die Wartezeiten beim Aufsuchen der Objekte im Führungsbetrieb minimieren, und ermöglicht darüberhinaus auch die unkomplizierte Beobachtung schwieriger Objekte.

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung 1998 hat sich die Linzer Astronomische Gemeinschaft daher das Ziel gesetzt, ein modernes, leistungsfähiges Teleskop für die Johannes-Kepler-Sternwarte in Linz anzuschaffen, das den genannten Anforderungen entspricht.

Das Instrument

Aufgrund der oben genannten Überlegungen wurde ein Teleskopsystem ausgewählt, welches sowohl durch hohe optische und mechanische Güte, als auch durch einen relativ günstigen Preis besticht. Das Spiegelteleskop nach Cassegrain konzentriert ein leistungsfähiges optisches System, mit einem Hauptspiegel vom 500mm Durchmesser und einer Brennweite von fünf Metern, auf kleinstem Raum, was die Handhabung erleichtert und die Mechanik entlastet. Die Optik, die strenge Qualitätskriterien erfüllen muß, wurde bei Astro-Optik Keller angekauft. Die Mechanik (Montierung und Tubus, "Neue Österreich-Montierung") entsteht nach Plänen des technischen Direktors des Leopold Figl-Observatoriums (Universitätssternwarte Wien), Ing. Rudolf Pressberger, in der Schlosserei unseres Vereinsmitgliedes Heinrich Madlmayr in Gramastetten. Die Koordinierung der Arbeiten hat unser Vereinsmitglied Ing. Erich Meyer übernommen. Das Antriebssystem und die Steuerungs-Software wurden von Ministerialrat Dr. Manfred Stoll (Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung) entwickelt. Die entsprechenden elektrischen und elektronischen Anlagen werden von unserem Vereinsmitglied Dipl.-Ing. Thomas Schobesberger angefertigt.

Projektverlauf

Die Optik (Cassegrain-System, Hauptspiegel mit 50 cm Durchmesser, Systembrennweite 5 m) wurde am 1. Juli 2000 von Astro-Optik Keller in Regensburg geliefert und nach Linz gebracht. Die Bilder zeigen Thomas Schobesberger und Herbert Raab beim Transport der wertvollen Optik.

  

Die Arbeiten an der Mechanik (Montierung und Tubus) sind bereits zu Jahresbeginn angelaufen. Die Bilder zeigen das Instrument während der Arbeiten in der Schlosserei Madlmayr am 20. Juli 2000. Im Bild links: Erich Meyer, Rudolf Ginterseser und Heinrich Madlmayr.

  

Am 7. September 2000 wurden das Teleskop erstmals mit der Steuerelektronik gekoppelt, und per Computersteuerung bewegt. Der erfolgreich verlaufene Testbetrieb war ein entscheidender Schritt hin zu einer baldigen Fertigstellung des Instrumentes! Im Bild: Heinrich Madlmayr, Erwin Obermair und Thomas Schobesberger (links), Daniela Rost (rechts).

  

Ende September 2000 wurde das bisher verwendete 40cm Cassegrain-Teleskop abgebaut. Am 28. September erfolgte die Demontage der Montierung und die Rückführung des Instrumentes durch die Herrn Peter Wachtler und Ing. Rudolf Pressberger vom Institut für Astronomie der Universität Wien. Das untenstehende Bild zeigt wie die ca. 300kg schwere Säule des Teleskopes vom Kuppelraum herabgelassen wird. Auf der Aufnahme von Herrn Wachtler sind Erich Kolmhofer, Ing. Rudolf Pressberger und Stefan Pichler (am Balkon der Sternwarte, von links nach rechts), sowie Ministerialrat Dr. Manfred Stoll, zu sehen. Erich Meyer und Erwin Obermair verrichten die schweisstreibende Arbeit am Seilzug in der Kuppel.


Die Linzer Astronomische Gemeinschaft möchte sich an dieser Stelle recht herzlich beim Institut für Astronomie der Universität Wien für die kostenlose Leihgabe des 40cm Cassegrain-Teleskopes bedanken. Das Instrument hat während der letzten zwölf Jahre wertvolle Dienste im Führungesbetrieb auf der Johannes-Kepler-Sternwarte in Linz geleistet!

Am 11. Oktober erfolgte bereits die Endmontage des (fast) fertigen Teleskopes in der Schlosserei Madlmayr. Das linke Bild zeigt Rudolf Ginterseser (stehend), Erich Meyer (links), und Heinrich Madlmayr (rechts). Das rechte Bild zeigt das 50cm f/10 Cassegrain-Teleskop mit dem aufgesetztem 10cm f/9 Fluourit-Refraktor. Am 13. Oktober wurde das Instrument wieder zerlegt, um in den kommenden Wochen in der Kepler-Sternwarte in Linz aufgebaut zu werden.

  

Am 19. Oktober wurde das Teleskop schliesslich in der Kuppel der Johannes-Kepler-Sternwarte aufgebaut. Die Bilder zeigen, wie die ca. 100 kg schwere Gabel auf den Sockel aufgesetzt wird.

  

Von Dietmar Hager stammt ein kurzer MPEG-Film (ca. 1,4 MB), der das Fernrohr in Bewegung zeigt.

Das unten stehende, linke Bild zeigt Thomas Schobesberger und Herbert Raab bei der Verkabelung. Das rechte Bild zeigt schließlich das fertige Instrument nach dem Aufbau in der Kuppel.

  

First Light !

Am Abend des 28. Oktober 2000 war der Himmel über Linz erstmals seit der Installation des Teleskopes klar. Erich Meyer, Thomas Schobesberger und Herbert Raab nutzten die Gelegenheit, um die Optik des Teleskopes präzise zu justieren, und die Montierung einzunorden. Danach konnten die ersten Beobachtungen mit dem Instrument angestellt werden: Die Planeten Jupiter und Saturn waren die ersten Objekte, die mit Hilfe der Teleskopsteuerung angefahren wurden. Die beiden Riesenplaneten zeigten sich in einer prächtigen Detailfülle. Zahlreiche weitere Objekte folgten, bis die Beobachtungen in den frühen Morgenstunden mit einem beeindruckenden Blick auf den großen Orion-Nebel abgeschlossen wurden.

Die LAG sagt "Danke !"

Die Finanzierung erfolgte bislang ausschließlich aus den Mitgliedsbeiträgen und Spenden der Mitglieder der Linzer Astronomischen Gemeinschaft und aus den Spenden der Besucher der Kepler-Sternwarte. Einen herzlichen Dank daher an die Förderer der Linzer Astronomischen Gemeinschaft!

Subventionsansuchen wurden bei der Landeshauptstadt Linz, beim Kulturinstitut des Landes Oberösterreich, und beim oberösterreichischen Volksbildungswerk eingebracht. Alle drei Seiten haben das Ansuchen positiv beurteilt, sodaß knapp 30% der finanziellen Aufwendungen durch Subventionen gedeckt werden können. Wir freuen uns über diese Anerkennung unserer langjährigen Tätigkeit auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung und bedanken uns dafür vielmals!

Ohne die Unterstützung durch die Herren Ing. Rudolf Pressberger und Dr. Manfred Stoll sowie durch die Firma Metallbau Madlmayr wäre eine Realisierung dieses Projektes nicht möglich gewesen. Die Linzer Astronomische Gemeinschaft möchte sich für diese Unterstützung herzlich bedanken!

Unser Dank gilt weiters allen Vereinsmitgliedern, die durch ihren unentgeltlichen Einsatz in über 1000 Arbeitsstunden zum Gelingen dieses Projektes beigetragen haben. Zu besonderem Dank sind wir gegenüber unseren Mitgliedern Ing. Erich Meyer und Dipl.-Ing. Thomas Schobesberger verpflichtet, die ca. 500 bzw. 300 Arbeitsstunden geleistet haben!

Leistungsfähigkeit

Mit März 2001 wurde der Führungsbetrieb in der Kepler-Sternwarte wieder aufgenommen. Das neue Instrument ist nun das größte astronomische Spiegelteleskop in Österreich, an dem regelmäßige, öffentlich zugängliche Führungen abgehalten werden. Der 500 mm im Durchmesser messende Hauptspiegel des Teleskops konzentriert genügend Licht, um auch weit entfernte, lichtschwache Gestirne beobachten zu können - bei der visuellen Beobachtung können mit diesem Instrument Objekte erkannt werden, die zehntausendmal schwächer sind als die schwächsten mit bloßem Auge erkennbaren Gestirne! Leben und Tod der Sterne kann den Besuchern durch die Beobachtung von Sternentstehungsgebieten und den Resten gewaltiger Sternexplosionen veranschaulicht werden. Sternhaufen, die mit kleineren Instrumenten nur als verwaschene Nebelfleckchen zu erkennen sind, werden aufgrund der Lichtstärke dieses Fernrohres zu eindrucksvollen Beobachtungsobjekten, welche oft Hunderte von Einzelsternen auf einen Blick erkennen lassen. Galaxien lassen sich über Entfernungen von vielen Millionen Lichtjahren beobachten, und vermitteln den Gästen der Sternwarte einen Eindruck von der Unendlichkeit des Weltraumes. Die kontrastreiche Abbildung des Cassegrain-Systems und die Systembrennweite von fünf Metern lassen aber auch eine detaillierte Beobachtung des Mondes und der Planeten des Sonnensystem zu.

Mond, aufgenommen mit dem 50cm Teleskop 50cm Cassegrain-Teleskop

Aufnahmen von Harald Aumayr (LAG)