Ferngläser (Feldstecher)

Die Anschaffung eines Fernglases hat durchaus gute Gründe: Bei einem Fernglas sind meist zwei Zahlen angegeben, z. B. 7 x 50. Das bedeutet, dass 7fach vergrößert wird und der Objektivdurchmesser 50 mm beträgt. Je größer der Objektivdurchmesser ist, umso mehr Licht kann gesammelt werden, und umso schwächere Objekte können demnach gesehen werden. Allerdings nimmt mit steigender Öffnung in der Regel auch das Gewicht zu. Was die Vergrößerung betrifft, so sollte man nicht mehr als 10x nehmen, um noch sinnvoll freihändig arbeiten zu können; darüber ist das Bild meistens zu verwackelt. Die meisten Ferngläser lassen sich mit einem Adapter auf einem Fotostativ befestigen, was die Beobachtungen sehr viel angenehmer machen kann. (Canon hat 1998 den ersten Image-stabilized Feldstecher herausgebracht, der hinsichtlich der freihändig zu vertretenden Vergrößerung neue Maßstäbe setzt.)

Wie auch bei Fernrohren, kann man beim Fernglas durch die Angabe von Objektivdurchmesser (= Eintrittspupille) und Vergrößerung die Austrittspupille berechnen. Bei einem 7 x 50 Fernglas wären das also 50 / 7 = 7,14 mm. Mehr wäre aus physiologischen Gründen auch gar nicht besonders sinnvoll. So wird es sicher kein 7 x 70 Fernglas geben, weil die Austrittspupille von 10 mm vom menschlichen Auge nicht mehr voll erfassbar ist. Übliche Fernglas-Parameter sind 7 x 50, 10 x 50, 10 x 70, 8 x 56.

Preislich ist bei Ferngläsern alles drin, von unter 700 öS (100 DM) bis über 15.000 öS (2100 DM). Wenn man Glück hat, dann kann man auch ein billiges, gutes Gerät erwischen, ansonsten ist es besser, ein bisschen mehr Geld auszulegen und dafür ein Gerät zu besitzen, mit dem man über viele Jahre hinweg Freude hat. Auf alle Fälle sollte man das Gerät, das man erwerben will, vor dem endgültigen Kauf am Nachthimmel testen. Kaum ein Test am Tag fördert Schwächen eines Fernglases so klar zutage wie der Blick zu den Sternen. Ist das Bild wirklich scharf zu sehen? Sind die Sterne absolut punktförmig? Sieht man wirklich nur EIN Bild? Sind die Sterne auch am Rand scharf zu sehen?

Welches Seherlebnis kann man nun von einem Fernglas (z. B. 7 x 50) erwarten? Nun, von der Helligkeit her wird man in etwa bis 8 mag oder 9 mag, bei befestigtem Feldstecher und dunklem Himmel auch bis 10 mag kommen. Der Mond ist natürlich ein gutes Objekt, bei dem schon mehr Details als mit bloßem Auge sichtbar werden. Die Planeten sind im Fernglas nicht sehr lohnend, die Jupitermonde und evtl. die Phase der Venus, wenn sie der Erde nahe steht, sind machbar. Doppelsterne gibt es bereits eine ganze Menge, je enger sie werden, umso ruhiger muß man das Fernglas natürlich halten. Der Albireo im Schwan (Beta Cygni) mit seinen 35 Bogensekunden Distanz ist mit 7facher Vergrößerung schon zu knacken. Ein faszinierender Anblick ist es, mit dem Fernglas einfach die Milchstraße entlangzufahren und die unendlich vielen Sterne zu genießen. Sehr reizvoll finde ich auch offene Sternhaufen. Besonders die bekanntesten offenen Sternhaufen (Plejaden, Krippe, h + Chi im Perseus usw.) bieten schon im Fernglas einen beeindruckenden Anblick. Kugelsternhaufen, Nebel und Galaxien sind weniger interessant; große Ausnahme: der Andromeda-Nebel. Diese Galaxie ist im Fernglas oft sogar schöner erkennbar als im Teleskop, weil ihre gewaltige Ausdehnung für normale Teleskope zu groß ist. Im Fernglas hat sie aber wunderbar Platz.

Auch für einen Fernrohrbeobachter wie mich ist es schön, hin und wieder einmal einen Abendspaziergang mit dem Fernglas zu machen und einfach eine Stunde "Binocular Astronomy" zu betreiben.

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© 2000, Wolfgang Stroh, Linz/Austria